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Schuldscheindarlehen Update: April 2020

Wie bereits im März war auch der April geprägt von der allgemein schlechten Stimmung an den Finanzmärkten aufgrund der wirtschaftlichen Auswirkungen von Ausgangssperren, Grenzschließungen, Lieferengpässen und Geschäfts- und Fabriksschließungen. Sorge bereiten Investoren deshalb vor allem jene Schuldscheindarlehen, die in den kommenden Monaten auslaufen und refinanziert werden müssen. Sorge bereiten Investoren Namen wie der Automobilzuliferer Benteler, der über 600 Millionen Euro an Schuldscheinvolumen ausstehen hat, zusätzlich zu geschätzten 1,2 Milliarden Euro an Bankverbindlichkeiten, aber auch das Mobilfunkunternehmen Freenet mit seinen 700 Millionen Euro in Schuldscheinen, die zur Refinanzierung anstehen.

Nur wenige Emissionen im April

Das erste Halbjahr verläuft dieses Mal deutlich ruhiger als gewohnt, was niemanden verwundert. Die Corona Krise hat den gesamten Markt aus dem Gleichgewicht geworfen. Einige wenige Emittenten konnten trotzdem Finanzierungen über den Schuldscheinmarkt aufnehmen. Was überrascht sind die vielen Covenants und Floors, die wieder eingebaut werden, um Investoren in der Krise anzulocken und zu beruhigen. So hat die Schwedische Klovern in ihrer 100 Mio. Euro und USD Emission mit Laufzeiten von drei und fünf Jahren (Spread 100-150bp) gleich mehrere Liquiditäts-Stepup-Kriterien eingebaut, und der Floor von 0%, der in den Vor-Corona-Zeiten gerade drohte zu fallen, findet sich in allen Neuemissionen im April.

Refinanzierungen noch möglich

Noch scheint es möglich Refinanzierungsschuldscheine zu platzieren. Der Automobilzulieferer Schäffler konnte trotz der schwierigen Marktlage 350 Millionen Euro platzieren. Angestrebt waren ursprünglich 300 Millionen Euro. Dass nur um 50 Millionen aufgestockt werden konnte, lässt auf eine schwächer gewordene Nachfrage schließen, trotz Zusage des Unternehmens, den Erlös in die Refinanzierung nachhaltiger Projekte zu investieren. Gängige Usance im Schuldschein Primärmarkt ist es, das zunächst angestrebte Volumen niedrig anzusetzen, um danach ordentlich zu erhöhen und je nach Nachfrage allen Investoren eine hohe oder volle Zuteilung zu geben. Die Flexibilität des Schuldschein-Instruments macht es möglich, auch kurzfristig neue Tranchen und Laufzeiten zu kreieren.

Unternehmen weichen trotzdem auf Kredite aus

Das in der vergleichsweise soliden Pharmabranche angesiedelte Unternehmen Gerresheimer ist eines der Unternehmen, die dieses Jahr noch einen Schuldschein auslaufen sehen. Das Unternehmen hat dabei nicht bis November gewartet, sondern schon jetzt laut Bloomberg einen zweijährigen Überbrückungskredit aufgenommen, um die 190 Millionen Euro im November zu refinanzieren. Laut dem Unternehmen soll diese Brückenfinanzierung zu ruhigeren Zeiten wieder durch einen neuen Schuldschein abgelöst werden. Wie man sieht ist die Verunsicherung am Schuldscheinmarkt groß.

Kommunale Unternehmen sind gefragt

Als Emittenten guter Qualität gelten nach wie vor kommunale Unternehmen. Die 38,5 Millionen große Emission der Stadtwerke Osnabrück waren mit ihren 7 und 10 Jahren gut gefragt und konnten vollständig platziert werden. Damit waren die Stadtwerke unter den ganz wenigen Unternehmen, die sich im April an den Schuldscheinmarkt wagten.

Die österreichische EVN konnte ihre 50 Millionen Euro 10-jährige Schuldscheindarlehen ebenfalls gut platzieren. Obwohl es sich hier um ein grünes Schuldscheindarlehen handelt, ist der Spread mit 120-130bp trotzdem relativ hoch. Scheinbar zieht grün und nachhaltig in Krisenzeiten nicht ganz so gut. Investoren scheinen andere Sorgen zu haben.

Mehrere Emissionen in Vorbereitung

Trotz der Krisenstimmung bei Unternehmen und Investoren sind mehrere Neuemissionen in Vorbereitung. So plant das Immobilienunternehmen ADO nach der Übernahme der Adler Real Estate eine Neuemission mit bis zu 15 Jahren Laufzeit, im Schuldscheinmarkt abseits öffentlicher Emittenten etwas Ungewöhnliches. Schließlich haben Schuldscheindarlehen nach 10 Jahren ein nicht ausschließbares Kündigungsrecht, ausgenommen Emissionen öffentlicher Emittenten. Die geplante Emission wird voraussichtlich eine Rating-Komponente haben, mit einem Step-Up Kupon von 0,5%, sollte das Rating unter die aktuellen Baa3/BBB- rutschen. Das Rating dürfte trotzdem viele Investoren abhalten, zu investieren, weshalb noch zusätzlich diverse Covenants geplant sind, ebenfalls lange nicht gesehen im Schuldscheinmarkt.

Mit einem etwas besseren Rating von Baa1/BBB+ plant auch Bertelsmann eine Emission in den kommenden Wochen, angeblich mit sieben Jahren Laufzeit. Weitere Namen, die im Markt für kommende Schuldscheindarlehen gehandelt werden, sind MTU Aero und Robert Bosch. Allgemein ist die Aktivität deutlich zurückgefahren und vorsichtig.

Schuldscheindarlehen Update: Februar 2020

Der Februar war nach einem guten Start ins Jahr etwas ruhiger im deutschen Schuldscheinmarkt. Dabei gab es trotzdem einige interessante Vorankündigungen für Emissionen in den kommenden Monaten. So überlegt Miltenyi Biotec an den Schuldscheinmarkt zu kommen, und auch die Telefonica erwägt eine Emission, zusammen mit einigen kleineren Emittentinnen wir Gasag, Hörbiger und der schwedischen Klovern. Die interessanteste Ankündigung kommt von Porsche, die wieder einen grünen Schuldschein planen. Für März arbeitet zudem Dürr an einem weiteren Nachhaltigkeits-Schuldscheindarlehen.

ESG Nachfrage reißt nicht ab

Die Nachfrage nach Schuldscheindarlehen, die an ökologische, soziale oder Nachhaltigkeitsaspekte gebunden sind, lässt nicht nach. Nun überlegt sogar die Telefonica Deutschland, sich mit einem ESG gelinkten Schuldscheindarlehen auf den Markt zu wagen. Dem Unternehmen gefallen vor allem die Marketing- und Reputationsvorteile, die ESG gelinkte Emissionen bringen. Nachhaltigkeit und Umweltschutz liegen einfach im Trend. Das zeigt auch die überzeichnete Emission von Faber-Castell, deren Nachhaltigkeits-Schuldschein von 30 Millionen Euro auf 55 Millionen Euro aufgestockt wurde. Das ESG-Schuldscheindarlehen von Voith wurde sogar von 200 Millionen Euro verdoppelt auf 400 Millionen Euro.

Sorgen bereitet das mögliche LIBOR Ende

Auch der Schuldscheinmarkt bleibt vor den LIBOR Sorgen nicht verschont. Denn geht es nach den britischen und amerikanischen Aufsichtsbehörden, wird die Berechnung der LIBOR Referenzzinssätze mit Ende 2021 eingestellt. An ihre Stelle sollen Overnight Sätze treten, deren Funktionsweise und Fundamentaldaten allerdings grundverschieden sind zu den bisher verwendeten LIBORs. Offen ist nach wie vor die Frage, wie mit Altgeschäft verfahren wird, denn die Änderung von Zinssätzen bedarf beim Schuldscheindarlehen grundsätzlich der Zustimmung aller Investoren der jeweiligen Tranche. Das belastet Emissionen in USD. Die Euro denominierten Emissionen sind von diesem Drama glücklicherweise nicht betroffen, denn den EURIBOR wird es vorerst unverändert weiter geben.

Die Corona Krise hat auch den Schuldscheinmarkt getroffen

Die allgemeine Unsicherheit an den Kapitalmärkten hat auch den Schuldscheinmarkt getroffen. Besonders gelitten hat die Vermarktung des Lufthansa Schuldscheins, nachdem die Lufthansa aufgrund von Corona und der allgemeinen Krise der Tourismus Branche in Schwierigkeiten geraten war. Der Corporate Schuldscheinmarkt könnte deshalb durchaus einen Angebots- und Nachfragedämpfer erhalten.

Interessante Neuemissionen

Die Ungarische Entwicklungsbank ist mit einen 300 Millionen Euro großen Deal an den Markt gekommen, einer Mischung aus Schuldscheindarlehen und länger laufenden Namensschuldverschreibungen. Die Dortmunder Stadtwerke konnten 50 Millionen Euro mit Laufzeiten zwischen fünf und sieben Jahren platzieren. Auch die VNG war mit 100 Millionen Euro und einem Grünen Schuldscheindarlehen vertreten, mit Laufzeiten von 7 Jahren (Spread 55-65bp) und 10 Jahren (Spread 70-80bp). Auch Claas konnte seine Emission erfolgreich platzieren und erhöhte das Volumen von den geplanten 150 Millionen Euro auf 250 Millionen Euro, für Tranchen zwischen sieben und neuneinhalb Jahren.

Seltene Ausübung eines Kündigungsrechts

Variabel verzinste Schuldscheindarlehen können wir variable Kredite auch mit einer Vorankündigung von drei Monaten jederzeit während der Laufzeit gekündigt werden. Das kommt selten vor, doch nun macht die CPI Property von diesem Kündigungsrecht gebraucht. Durch das gesunkene Zinsniveau konnte sich das Unternehmen im Februar deutlich günstiger über den Bondmarkt finanzieren und kündigt deshalb 49 Millionen Euro eines eigentlich erst in 2025 fällig werdenden Schuldscheindarlehens vorzeitig.

Schuldscheindarlehen Update: Januar 2020

Nach dem erneuten Rekordjahr 2019 mit einem Emissionsvolumen von 27,9 Milliarden Euro haben Marktteilnehmer hohe Erwartungen für das Jahr 2020. Der Trend internationaler Investoren, Emittenten und begleitenden Banken geht weiter, auch im Januar 2020.

Die Pipeline ist schon gut gefüllt

Bereits zu Beginn des Jahres gab es mehrere interessante Ankündigungen für die Platzierung neuer Schuldscheindarlehen. Darunter waren wieder Unternehmen, die Investoren ansonsten nicht allzu häufig am Kapitalmarkt antreffen, wie etwa Faber-Castell, die Wieland-Werke, Josef Saller, Max Bogl, Croma-Pharma, Vetter Pharma, SAF-Holland, Claas, Dortmunder Stadtwerke, und die Hüttenwerke Krupp Mannesmann. Faber-Castell plant dabei sogar einen ESG-Schuldschein an.

ESG und Grüne Schuldscheindarlehen noch mehr im Trend

Neben Faber-Castell plant auch der Energieverbund VNG ein grünes Schuldscheindarlehen, um mit dem Erlös in grüne Projekte zu investieren. Eine weitere grüne Ankündigung kam vom Immobilienentwickler NEPI Rockcastle, der erstmalig eine grüne Schuldscheinemission größeren Volumens plant. Grün und ESG liegen mehr im Trend denn je, und so überrascht es wenig, dass Voith für seine nächste Schuldscheinemission ebenfalls auf einen ESG-Link setzen möchte.

Der Floor von 0% könnte komplett fallen

Schuldscheinemittenten beklagen schon seit längerer Zeit den bei Schuldscheinen stets üblichen Floor von 0%, der das Instrument gegenüber dem Loan Markt unattraktiver erscheinen lässt. Im letzten Jahr haben wir bereits einen sub-zero Floor bei der berliner Gewobag gesehen. Nun zieht eine weitere, kommunale Wohnbaugesellschaft nach. Die GBG-Mannheimer Wohnungsbaugesellschaft plant eine Schuldscheinemission komplett ohne Floor. Als kleinen Ausgleich gibt es für die geplante Emission allerdings Sicherheiten in Form von Equity. Geplant ist die Emission für Februar, wir lassen uns also überraschen, wie die tatsächliche Ausgestaltung sein wird.

Viele Schuldscheine laufen in 2020 aus: Refinanzierungen stehen an

Das Jahr 2020 sieht das Laufzeitende von einer ganzen Reihe von Schuldscheintranchen. Laut einer Meldung von Bloomberg könnten bis zu 50 Emittenten deshalb zur Refinanzierung auslaufender Tranchen an den Markt zurückkehren. Das Timing ist günstig, schließlich sind die Spreads nach wie vor niedrig, die Zinsen gering und das Investoreninteresse höher denn je. Gerade die zunehmende Anzahl internationaler Investoren und die immer stärker auf den Markt drängenden, internationalen Arrangeure dürften das Absatzumfeld für Emittenten interessant machen.

Ungarische Entwicklungsbank mit 300 Mio Euro SSD und NSV

Die Ungarn wollen mit einer Mischung aus Schuldscheindarlehen und der eng verwandten Namensschuldverschreibung in den Markt. Schuldscheindarlehen eigenen sich für Laufzeiten bis 10 Jahre, da sie – ausgenommen davon sind öffentliche Emittenten – danach ein gesetzliches Kündigungsrecht beinhalten. Für Namensschuldverschreibungen (NSV) gilt das nicht, hier können auch längere Laufzeiten problemlos begeben werden. Bilanzierungsmäßig profitieren NSV ebenso von der Bilanzierung zu Anschaffungskosten ohne lästiges Mark-to-Market, und in Form von Privatplatzierungen ist die Dokumentation ebenfalls sehr schlank.

Schuldscheindarlehen Update: Dezember 2019

Das Jahr 2019 endet mit einem neuen Rekord von 27,9 Milliarden Euro Emissionsvolumen. Das Instrument des Schuldscheindarlehens ist auch in diesem Jahr ein Liebling von Emittenten und Investoren. Zu den bereits langjährigen Nutzern des Instruments aus dem deutschsprachigen Markt kommen immer mehr ausländische Emittenten vor allem aus anderen, europäischen Ländern, internationale Investoren vor allem aus asiatischen Ländern, und auch immer häufiger internationale Banken als Arrangeure der ausländischen Deals. Ausländische Emittenten machten in 2019 bereits ein Drittel des Volumens aus.

Telekom Italia mit 250 Mio. Euro

Im Dezember waren wieder einige größere Deals im Markt zu haben. Die Telecom Italia verkaufte 250 Mio. Euro verteilt auf nur zwei Tranchen von 4 Jahren (150-170bp) und 6 Jahren (170-190bp), begleitet ausschließlich von zwei ausländischen Banken, der BNP sowie der UniCredit.

Der erste Floor unter Null ist da

Ein besonders guter Credit war im Dezember auch zu haben, das in Besitz von Berlin befindliche Wohnungsunternehmen Gewobag. Die Gewobag kommt in 2019 damit mit ihrer zweiten Emission auf den Markt, hatte sie erst im August 700 Mio. Euro aufgenommen. Der Deal aus Dezember fiel wieder groß aus, mit 650 Mio. Euro dank hoher Nachfrage. Zunächst waren bescheidene 150 Mio. Euro angestrebt worden. Das Besondere an diesem Schuldscheindarlehen der Gewobag ist der negative Zinsfloor von -0,15%, sowie einige Tranchen mit Laufzeiten über 10 Jahre hinaus. Die Kupons sind erwartungsgemäß gering. Die 2-jährige Tranche lag bei 35-40bp, die 5-jährige bei 50-55bp, und selbst die 10-jährige bei nur 60-65bp, und die ausgefallenen Langläufer 20 Jahre (110-130bp), 30 Jahre (130-150bp) und 40 Jahre (150-170bp) waren ebenfalls eng gepreist. Der negative Floor hatte offensichtlich niemanden abgeschreckt.

CO2 gelinkte Zinssätze

Auch das Nachhaltigkeitssegment hat wieder Zuwachs erhalten. Die italienische Maire Tecnimont verkaufte 62,5 Mio. Euro in Tranchen von 3-7 Jahren (200-290bp). Interessant ist hier die Kuponformel. Der Kupon steigt um 0,10%, wenn das Unternehmen seine CO2 Einsparungsziele in 2021 bis 2023 verfehlt. Für 2021 müssen die CO2 Emissionen um mindestens 10% fallen, für 2022 um 15% und für 2023 um 20%. Werden die Ziele allerdings erreicht, so sinkt der Kupon um 0,10%. Bewerten kann diese Option wohl niemand, aber das spielt zum Glück dank der erlaubten Bewertung mit Anschaffungskosten von Schuldscheindarlehen keine große Rolle. Groß angetan von dieser Spielerei dürften die Investoren trotzdem nicht gewesen sein, wie das übersichtliche Volumen zeigt.

Schuldscheindarlehen Update: November 2019

Im November ging es auf dem deutschen Schuldscheinmarkt etwas ruhiger zu als die Monate davor. Ein Hinweis darauf, dass viele Investoren ihre Investitionssummen für 2019 bereits erfüllt haben, könnten die immer häufiger werdenden Forward Tranchen sein, die Teile des Emissionsvolumens ins nächste Jahr verschieben. Immerhin wurden bis Ende November schon 25,6 Mrd. Euro an Nominal emittiert. Doch gänzlich ruhig war auch der November nicht.

Ausländische Emittenten immer häufiger vertreten

Mit der spanischen Gestamp Automoción, ein Automobilzulieferer für Stahlteile, war Anfang November wieder ein ausländisches Unternehmen mit einem Schuldschein aktiv. Die 185 Mio. Euro große Emission mit 3,5 bis 6,5 Jahren Laufzeittranchen enthielt auch eine kleinere 5-jährige Dollar-Tranche für Interessenten aus dem asiatischen Raum. Die schwedische Medicover nahm insgesamt 140 Mio. Euro auf, in Tranchen von 5 Jahren (120bp), 7 Jahren (150bp) und 10 Jahren (160bp). Insgesamt stammt ein Drittel des bisherigen Jahresvolumens von ausländischen Emittenten.

Internationale Arrangeure auf dem Vormarsch

Neben ausländischen Emittentinnen werden auch immer mehr internationale Banken auf den bisher von deutschen und österreichischen Banken dominierten Schuldscheinmarkt aufmerksam und pitchen als Arrangeure. Die Eintrittsbarrieren sind dank der geringen Komplexität der Dokumentation und der neuen LMA Standarddokumente gering. Aktuell haben die als Arrangeure dominanten Landesbanken noch den Vorteil, dass sie den exklusiven Zugang zu den Sparkassen und Volksbanken als Käufer der Schuldscheindarlehen im Kreditersatzgeschäft haben. Doch internationale Emittenten locken auch immer mehr internationale Investoren an, und hier sind die Landesbanken klar im Nachteil. Bildet sich mittelfristig ein Markt mit zwei getrennten Segmenten?

Rheinmetall, Meyer Werft und Dermapharm

Bei den heimischen Emittenten war die Rheinmetall mit 75 Mio. Euro vertreten, aufgeteilt in Tranchen von 5 Jahren, 7 Jahren und 10 Jahren und Spreads zwischen 0,85% – 1,25%. Die norddeutsche Meyer Werft konnte 110 Mio. Euro über den Schuldscheinmarkt aufnehmen, mit Laufzeiten von 4 Jahren (90-110bp), 7 Jahren (120-140bp) und 10 Jahren (140-160bp). Gut verkauften sich auch die 100 Mio. Euro der aus dem Medizinprodukte Bereich stammenden Dermapharm AG, mit Tranchen von 5 Jahren (80-100bp), 7 Jahren (100-120bp) und 10 Jahren (120-140bp).

Lenzing stärkt den Markt für nachhaltige Schuldscheindarlehen

Die Gruppe der nachhaltigen Schuldscheindarlehen erhält mit einer 500 Mio. Euro großen Emission der österreichischen Lenzing weiteres Volumen. Für die Interessenten aus Asien, ein Markt in dem Lenzing mit seinen hochwertigen und innovativen Fasern sehr aktiv ist, wurden US-Dollar Tranchen aufgelegt. Insgesamt gab es Tranchen mit Laufzeiten von 5 Jahren (EUR 85-100, USD 120-135), 7 Jahren (EUR 105-120, USD 145-165) und 10 Jahren (EUR 125-140).

Sekundärmarkt: Verkaufsdruck bei schlechten Nachrichten

Aktivität gab es im November auch auf dem Sekundärmarkt. Der Automobilzulieferer Leoni AG, der aktuell einige Schuldscheindarlehen in Umlauf hat, ist in Schwierigkeiten geraten. Auf dem Sekundärmarkt wurden deshalb von mehreren Investoren Stücke günstig angeboten. Der Verkaufsdruck auf dem Sekundärmarkt ist für das Unternehmen eine schlechte Nachricht, steht doch im März 2020 ein Schuldscheindarlehen zur Refinanzierung an.

Fällt der 0% Floor?

Er ist absoluter Markt-Standard bei bisherigen Schuldschein-Transaktionen: Der 0% Floor für die Kuponfestsetzung. In jeder Ankündigung der Price-Range, ob fix oder variabel verzinst, wird der 0% Floor heute automatisch eingefügt. Doch ist er noch zeitgemäß? Kann er sich halten?

Bisherige Zinsuntergrenze gegen negative Referenzsätze

Der Floor von 0% hat sich im Laufe der Jahre aufgrund der lang anhaltenden Negativzinsen am kurzen Ende etabliert. Die Kuponfestsetzung bei Schuldscheindarlehen wird zunächst immer als Spread auf Midswap, Euribor oder die entsprechende Bundesanleihe indiziert, selbst bei später fix verzinsten Tranchen. Da aber viele der Referenzsätze seit Jahren im negativen Bereich handeln – selbst im Mid-Swap sind wir aktuell bis sieben Jahre negativ – hat es sich als praktisch erwiesen, hier einen Floor von null Prozent einzuziehen. Die Zinsuntergrenze von 0% bezieht sich dabei direkt auf den verwendeten Referenzindex. Der indizierte Spread wird dadurch in jedem Fall als Zins bezahlt, selbst wenn der Referenzsatz negativ ist. Gerade bei variablen Tranchen ist das eine ausgesprochen wertvolle Zinsoption!

Das erste Schuldscheindarlehen mit negativem Floor

Das landeseigene Berliner Immobilienunternehmen Gewobag ist aktuell mit einem 150 Millionen großen Schuldscheindarlehen unterwegs, das anstatt des üblichen 0% Floors einen negativen Floor von -0,15% anbietet. Als Erklärung wird geboten, Investoren müssten die negativen Benchmark-Sätze mittragen. Der geplante Spread soll für eine 5-jährige Tranche 50bp betragen, was durch den Negativfloor bedeuten könnte, dass der Investor nur noch 0,35% bekommt. Aktuell handelt der 5-jährige Midswap in Euro bei -0,19283% und der 5-jährige At-the-Money Strike auf den 6-Monats-Euribor wäre bei knapp -0,16%. Ein Euribor-Floor mit Strike 0% ist übrigens aktuell etwa 150bp wert.

Rein von der Bewertungsseite kommend muss man sagen, dass selbst ein Floor von -0,15% einen gar nicht so unbeträchtlichen Wert besitzt da er deutlich im Geld liegt. Schließlich zahlt der Floor immer noch etwas aus, denn der Referenzzins liegt noch tiefer. Warum die Gewobag ihren Spread nicht gleich bei 35bp festgesetzt hat, könnte man sich da fragen. Oder den Floor komplett weglassen und stattdessen auf einen Kuponfloor von 0% umstellen, wie man ihn von Anleihen kennt, das wäre eine ehrlichere Variante gewesen.

Nur für hochwertige Emittenten?

Im Fall der Gewobag, einem landeseigenen Unternehmen, dürfte auch das exzellente Rating von A2 und die Garantie des Landes eine Rolle spielen. Selbst bei derart niedrigen Spreads dürften sich ausreichend Interessenten finden. Von diesem Vorteil profitieren die meisten Emittenten auf dem Schuldscheinmarkt nicht. Eine Abkehr von der etablierten 0%-Floor-Klausel dürfte deshalb aktuell (noch) nicht die Regel sein. Nicht vergessen sollte man dabei aber, dass die Nachfrage nach Schuldscheindarlehen seit Jahren größer ist als das Angebot und Emittenten immer mehr Konditionen diktieren können.

Grüne und ESG Schuldscheindarlehen

Umweltschutz, soziale Themen und Nachhaltigkeit in der Unternehmensführung sind nicht nur wichtig, ihre Umsetzung im Unternehmen oder in der Kommune erfordert auch hohe Investitionen. Für deren Finanzierung bieten sich unter anderem Schuldscheindarlehen an, deren Emissionserlös für grüne oder ESG („environmental, social and governance“) Projekte und Ziele verwendet wird.

Bei Investoren sehr beliebt

Investitionen in grüne, nachhaltige oder ESG Anlagen werden bei Investoren immer beliebter. Die Zahl von Fonds, Zertifikaten und Portfolien mit ESG und Nachhaltigkeitsbezug wächst von Jahr zu Jahr. Die entsprechende Nachfrage ist gerade im Fixed Income Segment kaum mit den vorhandenen Emissionen zu decken. Auch das Angebot wächst, aktuell aber nicht so schnell wie die Nachfrage. Das hat Auswirkungen auf die Spreads, die Emittenten grüner Anleihen und Schuldscheindarlehen zahlen. Aus Emittentensicht sehr erfreulich, denn die Zinssätze gerade für grüne Emissionen liegen auf attraktiv niedrigen Niveaus. Doch auch im Syndicated Loan Segment finden wir vergleichweise niedrige Verzinsungen, sobald es einen Umweltschutz- oder Nachhaltigkeitsbezug gibt.

Der grüne Schuldschein etabliert sich

Auf dem vergleichsweise kleinen Schuldscheinmarkt scheinen sich grüne und ESG Schuldscheine spätestens seit dem Jahr 2019 voll etabliert zu haben. Ein Dutzend Emissionen konnte 2,5 Milliarden Euro für grüne Vorhaben erlösen, darunter auch eine riesige Emission der Porsche AG über eine Milliarde Euro Volumen. Porsche wollte nach Berichten von Bloomberg zunächst „nur“ 200 Millionen Euro über einen grünen Schuldschein aufnehmen, um das erste E-Auto des Unternehmens zu entwickeln. Doch das Interesse der Investoren war so hoch und das Spread-Niveau für das Unternehmen so interessant, dass die Emission gleich um das 5fache erhöht wurde.

Im Schuldschein ist Vieles möglich

Die Ausgestaltung von Schuldscheindarlehen ist grundsätzlich sehr frei. Im grünen und ESG Bereich sehen wir aktuell immer häufiger interessante Kuuponkonstruktionen. Die Höhe des Zinssatzes wird dabei jährlich neu festgelegt und bestimmt sich je nach Emission am Anteil der vom Unternehmen produzierten Öko-Energie, an einem externen ESG-Rating oder an CO2 Einsparungen. Bleibt das Unternehmen im Plan, ändert sich am Kupon nichts. Werden die Klima- oder Nachhaltigkeitsziele verfehlt, so steigt der Zinssatz, und sind die Ergebnisse positiver als erwartet, so sinkt der Zins. Das macht die Emission glaubwürdiger, wenn gleichzeitig auch schwer zu bewerten. Bei Schuldscheinemissionen dürfte allerdings die Bewertungsfrage nicht allzu gravierend sein, da Schuldscheindarlehen in der Regel vom Investor mit Anschaffungskosten in der Bilanz geführt werden können und es keinem aufwändigen Mark-to-Market bedarf.

Noch viel Potenzial für grüne und ESG Schuldscheindarlehen

Die erfolgreich im Jahr 2019 platzierten grünen und ESG Schuldscheinemissionen zeigen, dass Interesse von Investoren auch in diesem Segment stark ist. Möchte ein Unternehmen ohnedies Projekte und Investitionen umsetzen, die einen Bezug zu Klima und Umweltschutz haben, soziale, nachhaltige oder Governance Verbesserungen bringen, dann sollte bei der Wahl der Fremdfinanzierungsinstrumente das Schuldscheindarlehen nicht fehlen.

Schuldscheindarlehen Update: Oktober 2019

Hohe Nachfrage von Investoren

Der Monat Oktober startete mit einer Rekord-Bekanntgabe: Der Automobilzulieferer ZF Friedrichshafen AG konnte ein Schuldscheindarlehen, das ursprünglich für „nur“ 500 Millionen Euro Volumen geplant war aufgrund der außergewöhnlich starken Investorennachfrage auf stolze 2,1 Milliarden Euro aufstocken. Das Schuldscheindarlehen soll einen Teil der Brückenfinanzierung der geplanten, sieben Milliarden teuren Übernahme des Bremsenherstellers WABCO ablösen. Vor allem deutsche und internationale Banken und Sparkassen waren an den Tranchen mit Laufzeiten zwischen drei und zehn Jahren. Über die 10-jährige Tranche ist ein Spread in der Range von 180-200 Basispunkten über Midswap bekannt.

Anleihen sind deutlich teurer

Den Rest der notwendigen Finanzierung der Übernahme macht ZF Friedrichshafen AG übrigens als normale Anleihenemission. Laut Bloomberg musste das Unternehmen für eine jetzt im Okober begebene Anleihe deutlich tiefer in die Tasche greifen als für den Schuldschein. Die 10-jährige Anleihe musste einen Aufschlag von über 361,4bp gegenüber der 10-jährigen Bundesanleihe zahlen (Kupon von 3% und einem Emissionspreis von 98,638%), also mehr als 100 Basispunkte mehr als auf die 10-jährige Schuldschein-Tranche. Das zeigt einmal mehr, wie hoch die Nachfrage am Schuldscheinmarkt aktuell ist und wie eng die gehandelten Spreads, selbst für am Kapitalmarkt etablierte Emittenten.

Auch kleinere Emissionen erfolgreich

Doch nicht nur die Mega-Emission der ZF Friedrichshafen AG war Thema im Oktober. Es gab auch mehrere Emissionen mit kleineren bis mittleren Volumina. Gemeinsam war allen ein reges Investoreninteresse, und bei vielen die beinahe schon zur Normalität gewordene, nachträgliche Aufstockung des Emissionsvolumens.

So konnte die polnische Medicover als international tätiger Gesundheitsversorger und Laborbetreiber ein zuvor mit 100 Millionen Euro geplantes Schuldscheindarlehen auf 120 Millionen Euro aufstocken. Tranchen gab es mit fünf und sieben Jahren Laufzeit, die 5-jährige mit 120bp über Swap und die 7-jährige mit 150bp über Swap. Nachfrage gab es laut Bloomberg sowohl aus Deutschland und Polen, aber auch aus Asien.

Weitere Deals gab es unter anderem vom Fitnessclub Betreiber Basic-Fit (100 Millionen Euro, Tranchen 3 und 5 Jahre), dem Berater All for One Group (33,5 Millionen Euro mit Laufzeiten von sechs bis acht Jahren, Spread 90-110bp), Leica Camera, dem spanischen Automobilzulieferer Gestamp Automocian (185 Millionen Euro nach geplanten 100 Millionen, Tranchen in Euro und US-Dollar, Laufzeiten 3,5 bis 6,5 Jahre, Spreads 185bp – 260bp), sowie eine Emission des Sparkassen-Kreditdienstleisters S-Kreditpartner, der über ein Schuldscheindarlehen Geld für den Ankauf von Konsumentenkrediten aufgenommen hat, und zwar – sehr interessant – über eine ausgelagerte Zweckgesellschaft.

Grüne Schuldscheine auch im Oktober

Mann+Hummel war mit einem grünen Schuldscheindarlehen über 150 Millionen Euro im Oktober vertreten. Laufzeiten der Tranchen waren 5, 7, 8 und 10 Jahre, mit Spreads zwischen 160bp und 250bp. Zertifiziert wurde der Schuldschein von Sustainalystics. Der Automobilzulieferer hat bereits Erfahrung mit grünen Schuldscheindarlehen und finanziert damit die Entwicklung von Filtertechnik.